Festspielfrühling Rügen JungeReporter

Festspielfrühling JungeReporterJungeReporter sind zur Stelle, wenn jedes Jahr der Festspielfrühling Rügen das Konzertjahr der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern eröffnet. Rügener Menschen ab 10 Jahren besuchen die Konzerte von Vaschvitz bis Göhren, von der Kapelle Vitt am Kap Arkona bis zum Theater Putbus. Und natürlich treffen wir die Musikerfreunde des Fauré Quartetts auch bei Proben oder nehmen sie mit in unsere Schulen, wo sie sich mit Rhapsody in School vorstellen.


Geisterhafte Leichtigkeit

von Sophia von Wersebe, 10

Vor dem Konzert in Vaschvitz möchte ich am liebsten die Pianistin Ariane Haering interviewen, weil ich auch Klavier spiele. An Musik gefällt ihr am meisten, dass sie sich frei fühlt. Ich glaube, damit meint sie, dass sie aus allen Gedanken rauskommt. Ariane spielt Klavier, seit sie fünf Jahre alt war, also schon seit über 30 Jahren! Trotzdem ist sie noch aufgeregt vor den Auftritten.
Sie hat sich das Instrument auch ausgesucht, weil ihre Schwester Geige spielte und sie keiner begleiten konnte. Heute kann Ariane auch mit ihrem Mann, dem Geiger Benjamin Schmid zusammen spielen.
Sie fragt uns, ob wir auch mal zusammen Kammermusik gespielt haben. Dabei merken wir, dass wir ja genau die gleiche Besetzung haben wie das Geistertrio – Klavier, Geige und Cello. Ein einfaches Stück könnten wir wirklich mal zusammen spielen. Beethovens Geistertrio ist viel zu schwer für uns, aber für Ariane, Benjamin Schmid und die Cellistin Harriet Krijgh war es ganz leicht, und es hat sich sehr schön angehört. Mir ist besonders der Geiger aufgefallen, weil er aussah, als ob ihn jemand gefesselt hätte und er sich befreien wollte.

Verzaubert, vergeistert und Gegrusel

von Fabia von Blüchen, 11

JR benschmid fredtietzAuf die Frage, worauf wir beim Geistertrio achten müssten, antwortete uns der Geiger Benjamin Schmid, wir sollten im 2. Satz genau hinhören und fühlen, ob wir uns gruselig fühlen. Als wir ihn fragten, ob er sich das Stück selbst aussuchen durfte, sagte er, dass er zur Hälfte mir aussuchen durfte. Mit seinen Kammermusikkameraden hat er vorher viele Gespräche geführt, sie haben sich besucht, E-Mails und SMS geschrieben. „Aber das kann lange dauern," sagte Benjamin.
Was mich verblüfft, ist, dass er schon seit über 40 Jahren Geige spielt. Davor hat er Klavier gespielt. Und das habe ich beim Geistertrio gefühlt: verzaubert, vergeistert und Gegrusel.
Anschließend gab es noch ein Quintett von Anton Bruckner. Der erste Satz klang ein bisschen so wie bei einer Konferenz. Alle Stimmen haben eine andere Meinung, und doch passt alles in einander. Der zweite Satz war leicht und sanft geschwungen. Und dann wurde einem alles verzaubert, so dass man einfach mit der Musik mitging. So ein leichtes Schweben! Danach ist mir nicht mehr viel durch meinen Kopf gekommen. Aber ich fand das Stück gut, ja, auf jeden Fall!

Fauré in School

von Sophie Ambrosat, 15

ruegen faurebuehne1Als ich auf den Dachboden unseres Gymnasiums komme, ist schon viel Leben in dem großen Musikraum. Ich bin mir sicher: So viele Schüler habe ich seit langem nicht mehr hier versammelt gesehen. Über 100 Jugendliche aus allen Klassenstufen warten gespannt auf den Besuch des Fauré Quartetts. Die meisten haben noch keine Vorstellung, was sie von den Weltklassemusikern erwartet. Andere Schüler kamen schon vor zwei Jahren in den Genuss ihrer Musik, als das Klavierquartett das letzte Mal mit „Rhapsody in School" in unserer Schule war. Auch sie sind aufs Neue gespannt.

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Gruseln in Vaschwitz

von Livia von Wersebe, 12

Interview mit Harriet und ArianeWir JungeReporter durften vor dem Konzert in Vaschwitz beim Üben zugucken und den Künstlern ein paar Fragen stellen.

Ich habe Harriet Krijgh interviewt. Sie ist Holländerin, wohnt aber momentan in Wien. Sie hat mit fünf angefangen Cello zu spielen und spielt jetzt schon seit 18 Jahren. Harriet sagt, dass sie vor einem Konzert im positiven Sinne aufgeregt sei, was wir ihr aber nicht ansehen konnten. Musik bedeutet ihr sehr viel, weil sie für sie nicht etwas ist, das sie macht, sondern worin sie lebt. Sie hat so leicht, aber gleichzeitig auch so kräftig gespielt. Das hat man auch beim Geistertrio gesehen. Bei diesem Stück fand ich es zwischendurch ziemlich gruselig. Dabei ist mir aufgefallen, dass man den Künstern von den Gesichtern ablesen konnte, was für ein Gefühl die Musik rüberbringen sollte.

Streichquartett ist Theater

von Sophie Ambrosat, 15

Mein Musiklehrer hat mal gesagt, er konnte Streichquartette nicht leiden, bis zu dem Moment, als er eines auf der Bühne erlebt hat. Denn das ist eine ganz besondere Art zu musizieren. Zwischen den Künstlern schwingt so viel Energie. Sie kommunizieren miteinander, ohne auch nur ein Wort zu sagen.

Beim Festspielfrühling Rügen besuchte ich das Konzert des französischen Quatuor Hermès, mein erstes Streichquartett. Mein Lehrer hatte nicht zu viel versprochen, die Musiker zogen mich in ihren Bann. Bei jedem anderen klassischen Konzert war es für mich angenehm, die Augen zu schließen und mich auf die Musik zu konzentrieren. An diesem Sonntagvormittag war das nicht möglich. Ich konnte meine Augen nicht von den vier Nordmetall-Ensemblepreisträgern abwenden. Im Rahmen des Festspielfrühlings spielten die jungen Franzosen das „Kaiserquartett" von Joseph Haydn, eine italienische Serenade von Hugo Wolf und ein frühes Streichquartett von Ludwig van Beethoven.

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